AG Klimagerechtigkeit

Der 5. IPCC Assessment Report, WG III, Kap. 3 hat erstmals in der Geschichte des IPCC den Forschungsstand auch zu Fragen der Klimagerechtigkeit beschrieben und bewertet. Seit 2014 hat der Forschungsstand sich weiterentwickelt. Die Arbeitsgruppe hat das Ziel, den erreichten disziplinären und interdisziplinären Forschungsstand zu Klimagerechtigkeit unter Einbeziehung von Expert*innen kritisch zu diskutieren und durch eigene Workshops und Publikationen voranzubringen. Ergebnisse der Arbeit sollen, sofern das sinnvoll erscheint, in den Dialog mit Stakeholdern und der interessierten Öffentlichkeit eingebracht werden.

Die Konsequenzen des Klimawandels betreffen heute und zukünftig lebende Menschen ungleich. Die Begünstigungen aus Emissionen-generierenden Aktivitäten sind ungleich verteilt. Früher und heute Lebende haben in unterschiedlichem Maße zum Klimawandel beigetragen. Die grundlegenden Interessen, Bedürfnisse und Rechte vieler Menschen sind bereits durch die Konsequenzen des Klimawandels beeinträchtigt. Wenn die Transformation zu Netto-Null Emissionen bis 2050 nicht gelingt, werden voraussichtlich die grundlegenden Rechte sehr vieler Menschen durch die Konsequenzen des Klimawandels verletzt. Um das Ziel von global Netto-Null Emissionen zu erreichen ist ein hohes Maß an inter- und transnationaler, aber auch transgenerationeller Kooperation nötig. Individuen, Gruppen und Einrichtungen können auf verschiedene Weise verantwortliche Akteur*innen dieser Transformation zu einer nahezu emissionsfreien Gesellschaft sein und werden.

Angesichts dieser Problemlage stellen sich mehrere und miteinander verbundene Gerechtigkeitsfragen, insbesondere die Fragen

  • der Bestimmung des mit dem Schutz der Rechte auch zukünftig Lebender kompatiblen maximalen globalen Emissionsbudgets
  • der fairen Allokation des verbleibenden erlaubten globalen Emissionsbudgets unter Staaten
  • der angemessenen Kompensation für nicht vermiedene oder nicht mehr vermeidbare Schäden
  • der angemessenen Kompensation für negative Konsequenzen staatlicher Maßnahmen der Transformation, insbesondere der Frustration legitimer Erwartungen
  • der fairen Verteilung von Netto-Belastungen aus den Ursachen und Folgen des Klimawandels sowie des angemessenen Umgangs mit dem Klimawandel; also von Begünstigungen aus Emissionen-generierenden Aktivitäten, Schäden und Rechtsverletzungen, Kosten der Mitigations- und Adaptationsmaßnahmen sowie Kompensationsleistungen
  • des Verhältnisses von moralischer, rechtlicher, ökonomischer und demokratischer Kriterien der Legitimität von Maßnahmen zur Durchsetzung des Klimaschutzes
  • der Kriterien der Bewertung transgenerationeller und internationaler Strategien des Umgangs mit dem Klimawandel und der Bewertung der Durchsetzbarkeit langfristiger politischer Strategien der Transformation
  • der Konzeptualisierung inter- und transgenerationeller sowie inter- und transnationaler Gerechtigkeit für den Klimawandel und seinen Konsequenzen sowie den Umgang mit dem Klimawandel
  • der Voraussetzungen einer Bewertung nach Prinzipien insbesondere der intergenerationellen und internationalen Gerechtigkeit bzw. die Frage der Grenzen einer solchen Bewertung
  • des Ausmaßes an Verantwortung verschiedener Arten von Akteuren, z.B. Individuen, Gruppen und Einrichtungen
  • der Berücksichtigung der Interessen anderer als menschlicher Tiere, Pflanzen und Ökosysteme.

Auflistung und Beschreibung der geplanten Aktivitäten (grober Meilensteinplan für 1 Jahr)

  • Vorstellung der AG Klimagerechtigkeit auf dem Klimatag
  • Internationaler Workshop mit Kolleg*innen aus China und Europa (geplant für Mai 2021)
  • Internationaler Workshop „Justice in Time“ (Juni 2021)
  • Stakeholder Workshop zu Legitime Erwartungen und Transformation (Spätsommer 2021)
  • Laufend:
  • Bereitstellung von Informationen und Expertisen auf Anfrage, z.B. für Fridays for Future
  • Doktorand*innen und Postdoc-Kolloquia

Leiter: Lukas H. Meyer (Universität Graz)

Beteiligt sind:

Birgit Bednar-Friedl (Universität Graz), Wolfgang Benedek (Universität Graz), Michael Finus (Universität Graz), Stephen Gardiner (Washington University, USA), Günter Getzinger (Technische Universität Graz), Angela Kallhoff (Universität Wien), Reinhard Mechler (IIASA), Ulrich Metschl (Universität Innsbruck), Kian Mintz-Woo (University College Cork, Ireland), Susana Monso (Veterinärmedizinische Universität Wien). Arijit Paul (Universität Graz), Daniel Petz (Gadjah Mada Universität, Indonesien), Adriana Placani (Universität Graz), Thomas Pölzler (Universität Graz), Barbara Reiter (Universität Graz), Dominic Roser (Universität Fribourg, Schweiz), Pranay Sanklecha (Universität Graz), Oliver Sass (Universität Bayreuth), Thomas Schinko (IIASA), Peter Singer (Princeton University, USA), Karl Steininger (Universität Graz), Harald Stelzer (Universität Graz), Eva Schulev-Steindl (Universität Graz), Thomas Thaler (Universität für Bodenkultur), Ivo Wallimann-Helmer (Universität Fribourg, Schweiz), Charlotte Werndl (Universität Salzburg), Christian Zauner (Parents for Future Österreich)

Siehe https://homepage.uni-graz.at/de/lukas.meyer/ und insbesondere https://online.uni-graz.at/kfu_online/wbforschungsportal.cbshowportal?pPersonNr=69399

Thematic CCCA working group "Climate Justice" - english Version