COP30 2025

Was bleibt von Belem? 

Ein Bericht von Laura Maria Wallnöfer (BOKU) und Lisa Waldschütz (CCCA) | September 2026

Mit dem zu Ende gehenden Sommer - mit neuen Hitzewellen und -rekorden, die die Klimakrise verdeutlichen, blicken wir in Vorbereitung auf die COP31 in Antalya in der Türkei auf die COP30 in Belém Brasilien zurück. Den Beginn des Sommers prägten bereits die Zwischenverhandlungen der Klimarahmenkonvention (UNFCCC) in Bonn. Im Frühjahr bzw. Herbst auf der Südhalbkugel fand die erste “Conference on Transitioning Away from Fossil Fuels (TAFF)” in Santa Marta in Kolumbien statt, die während der COP30 angekündigt wurde, um den Fahrplan für den Übergang weg von Kohle, Öl und Gas der COP-Präsidentschaft zu unterstützen und eine Grundlage für die COP31 zu schaffen.

Eindrücke der 30. Klimakonferenz in Belém

Das CCCA ist als UNFCCC Observer gelistet und gibt jedes Jahr CCCA Expert:innen die Möglichkeit sich für die Teilnahme an der UN-Klimakonferenz (COP) zu registrieren. Zur 30. UN-Klimakonferenz (COP 30), die in Belém, Brasilien, am Tor zum Amazonas stattfand, wurden Ilona Otto (Uni Graz) und Laura Maria Wallnöfer (BOKU) entsandt.

Zehn Jahre nach der Verabschiedung des Pariser Klimaabkommens und vor dem Hintergrund zunehmender geopolitischer Spannungen waren die Erwartungen an die Konferenz hoch – Versprechen der letzten Konferenzen sollten in die konkrete Umsetzung gebracht werden. Die COP30 wurde daher als „Implementation COP“ und “COP der Wahrheit” bezeichnet.

Das Ergebnis fiel gemischt aus. Einerseits wurde beschlossen, die Finanzierung für Klimaanpassung bis 2035 zu verdreifachen und auch das Thema einer gerechten Transformation wurde erstmals stärker verankert. Andererseits blieb die Konferenz bei einer der zentralsten Fragen der Klimakrise – dem Ausstieg aus Kohle, Öl und Gas - hinter den Erfordernissen zurück. Hier konnte keine Einigung auf eine verbindlichen Roadmap erzielt werden. Obwohl zahlreiche Staaten eine solchen gefordert hatten, fehlt sie im finalen Beschluss, der in Belém “Multirão” genannt wurde. Der Begriff steht im brasilianischen für die kollektive, gemeinschaftliche Anstrengung und Mobilisierung für das Erreichen eines gemeinsames Ziels.

Belém in Brasilien als Ausrichtungsort - im und mit dem Amazonas sprechen statt darüber?

Die Ausrichtung der COP im brasilianischen Amazonasgebiet sorgte bereits im Vorfeld für Debatten aufgrund der Erreichbarkeit und Infrastruktur. Brasilien als Ausrichtungsland argumentierte jedoch mit der Möglichkeit einer COP, in der nicht nur über den Amazonas gesprochen wird, sondern im Amazonas und bestenfalls auch mit Vertreter:innen des Amazonas gesprochen wird. Tatsächlich war die indigene Beteiligung so hoch wie noch nie - mit der ALDEIA COP am Campus der Bundesuniversität von Pará wurde ein indigenes Dorf und Kulturzentrum errichtet mit Workshops etwa zur Klimafinanzierung und REDD+. Nach den letzten Jahren der COP in autokratischen Regimen gab es in Brasilien auch wieder sichtbare Proteste. Es fand etwa eine Großdemonstration statt und das Gelände der “Blue Zone” wurde von indigenen Aktivist:innen gestürmt, da laut Medien nur insgesamt 360 Vertreter:innen der Indigenen Völker Brasiliens für diese Zone akkreditiert wurden. Man kann deren Präsenz, auch bei der Gegenveranstaltung Cúpula dos Povos (People’s Summit) und Protest aber durchaus auch als eine “Multirão” sehen.

Klimafinanzierung und Anpassung an die Klimakrise

Ein wichtiger Fortschritt der COP30 war die stärkere Verankerung der Klimaanpassung. Im Rahmen der „Baku to Belém Roadmap to 1.3T“ – einem strategischen Fahrplan zur Mobilisierung des globalen Klimafinanzierungsziels von 1,3 Billionen US-Dollar bis 2035 - verständigten sich Staaten darauf, die internationale Finanzierung für Anpassungsmaßnahmen bis 2035 gegenüber dem Niveau von 2025 zu verdreifachen. Damit soll die Anpassungsfinanzierung auf rund 120 Milliarden US-Dollar jährlich steigen und jenen Staaten geholfen werden, die besonders unter den Folgen der Klimakrise leiden, jedoch am wenigsten zur globalen Erwärmung beigetragen haben. Um diesen Beschluss operativ umzusetzen und das weltweite Finanzwesen auf Klimaresistenz auszurichten, wurden in Belém zudem der Veredas-Dialog und die hochrangigen Xingu Finance Talks ins Leben gerufen. Diese Plattformen dienen der konkreten Umsetzung von Artikel 2.1(c) des Pariser Abkommens, welcher fordert, alle privaten und öffentlichen Finanzströme mit den globalen Klimazielen in Einklang zu bringen. Doch auch hier zeigt sich die Lücke zwischen politischer Ankündigung und tatsächlicher Umsetzung. Die zusätzlichen Mittel sind erst für 2035 vorgesehen und reichen bei weitem nicht aus, um den tatsächlichen Anpassungsbedarf in vulnerablen Ländern zu decken. Ein nennenswertes Zugeständnis gab es mit dem von den Brasilianern vorgestellten Finanzierungsinstrument “Tropical Forest Forever Facility". Mit diesem sollen jährlich 4 Milliarden US-Dollar für den Waldschutz erwirtschaftet werden - doch auch hier gibt es Kritik über dessen Funktion und tatsächliche Schutzwirkung, auch weil man hinter den Erwartungen über die Größe des Fonds und der Einbindung indigener Vertreter:innen blieb.

Eine gerechte Transformation  und der “Belem Action Mechanism (BAM)”

Positiv hervorzuheben ist die stärkere Verankerung einer gerechten Transformation. Mit dem Belém Action Mechanism - entwickelt von einem breiten Bündnis an NGOs und Gewerkschaften und hervorgebracht vom Climate Action Network - wurde ein Mechanismus für eine gerechte Transformation beschlossen, der technische Unterstützung, Kapazitätsaufbau und Wissensaustausch stärken soll. Ziel ist es, sicherzustellen, dass der Übergang zu einer klimaneutralen Wirtschaft nicht auf Kosten jener Menschen geht, deren Arbeitsplätze und Lebensgrundlagen von der derzeitigen fossilen Wirtschaft abhängen. Dafür setzen sich vor Ort insbesondere Vertreter:innen der Gewerkschaftsbünde, zivilgesellschaftliche Initiativen wie das Climate Action Network und die Women and Gender Constituency, Jugendbewegungen und indigene Vertreter:innen für konkrete Indikatoren ein. Im Just Transition Framework wurde beispielsweise in einem ersten Entwurf Bezug zu kritischen Mineralien für die Energiewende und damit verbundenen gesellschaftlichen und ökologischen Risiken genommen - im finalen Text wurden alle Erwähnungen kritischer Mineralien entfernt. Klimaschutz muss sozial gerecht gestaltet sein, um langfristig erfolgreich sein zu können.

Fossile Energien – der Elefant im Raum

Die COP30 begann mit hohen Erwartungen, da es nach der ersten Phase der weltweiten Bestandsaufnahme (Global Stocktake) der Klimaschutz und Anpassungsmaßnahmen und deren Umsetzung und vor dem Start der zweiten Phase Ende 2026 um die Verschärfung der Politik und praktische Umsetzung ging. Zu Beginn der zweiten Woche, die die “Ministerial Week” nach einer ersten technischen Woche darstellt, wurde auch der “Global Methan Status Report” vorgestellt. Dieser zeigte eine Reduktion von 8% der Emissionen bis 2030, was deutlich unter den bei der COP26 in Glasgow festgelegten 30% liegt (Global Methan Pledge). Die Diskussion über Methan spielt gerade in einem Land wie Brasilien, als eine der größten Emittenten und einer COP mit über 300 Agrar-Lobbyisten (laut Guardian) eine wesentliche Rolle. Enttäuschend war das Ergebnis zur Frage des Ausstiegs aus fossilen Energieträgern. Mehr als 80 Staaten unterstützten die Forderung nach einem konkreten Fahrplan für den Übergang weg von Kohle, Öl und Gas. Im finalen Beschlusspaket der COP30 konnte ein solcher Fahrplan jedoch nicht verankert werden und wieder fanden “fossil fuels” keine Erwähnung im Abschlussdokument der “Multirão”. Zwei gestartete Initiativen - Global Implementation Accelerator Initiative und Belém Mission for 1.5°C haben das Risiko, ohne finanzielle Unterstützung und Übersetzung von Zielen symbolisch zu bleiben (Bals et al., 2026). Damit bleibt die COP30 hinter der Dynamik zurück, die bei der COP28 in Dubai begonnen hatte. Dort hatten sich die Staaten erstmals ausdrücklich darauf verständigt, einen Übergang weg von fossilen Energieträgern einzuleiten. Zwei Jahre später fehlt nun der nächste konkrete Schritt.

Was bleibt von Belém?

Die COP30 war keine Konferenz des großen Durchbruchs, sie war aber auch kein vollständiger Stillstand. Die Staaten konnten sich trotz schwieriger internationaler Rahmenbedingungen - etwa durch den Ausstieg der USA aus dem Pariser Klimaabkommen - auf ein gemeinsames Abschlussdokument, die “Global Mutirão” einigen. Zusätzlich konnten Fortschritte bei der Anpassungsfinanzierung, beim globalen Anpassungsziel und bei der gerechten Transformation erzielt werden. Insgesamt gab es unter den 194 Parteien der UN- Klimarahmenkonvention (UNFCCC) Konsens über 56 Entscheidungen, davon machten 24 das sogenannte Belem Package aus, um das Pariser Klimaabkommen zu stützen. Es bedarf weiterhin einer echten politischen Willensbekundung, um die notwendigen Veränderungen herbeizuführen.

Für die Willensbekundungen von mehr als 80 Staaten - verantwortlich für etwa 10% der Kohlenstoffemissionen - über ein Fossil Fuel Phase Out - bot die COP30 in Belém ein Momentum. So fand unter der Leitung von Kolumbien und den Niederlanden die erste TAFF (Transition Away From Fossil Fuels) Konferenz in Santa Marta in Kolumbien statt. Dabei wurden Arbeitsprozesse zu Supply-Side-Emissions, Verschuldungsstrukturen die zu fossiler Abhängigkeit führen und Handelsströme die intensiver Extraction führen initiiert. Des Weiteren bot die Konferenz eine Plattform fragmentierter Initiativen zum Phase out und ein anderes Gesprächsklima (Quelle: Thompson & Van Cronenburg von der SciencesPo).

In Vorbereitung auf die COP31 in Antalya (Türkei) entwickelte die brasilianische COP30-Präsidentschaft strategische Fahrpläne zur Prioritätensetzung. Dazu gehört die „Halting and Reversing Deforestation Roadmap“. Diese adressiert das Thema Entwaldung, welches im Vorfeld der COP30 sowie im Rahmen von Side-Events – unter anderem organisiert durch Human Rights Watch und politische Vertreter:innen der stark betroffenen Bundesstaaten Mato Grosso, Pará und Amazonas – eine zentrale Rolle spielte. Hinzu kommt eine „Roadmap for transitioning away from fossil fuels in energy systems, in a just, orderly and equitable manner, accelerating action in this critical decade, so as to achieve net zero by 2050 in keeping with the science“. Es bleibt abzuwarten, ob die geteilte australische und türkische Präsidentschaft auf diesem Weg zu einem lang erwarteten Durchbruch führen wird. 

Impressionen von Laura Maria Wallnöfer