Biodiversitätsrat, Klimaforscher und -forscherinnen sowie Umweltdachverbände fordern die Bundesregierung zum Beitritt zur "High Ambition Coalition for Nature and People" auf


Der Österreichische Biodiversitätsrat, dem mehr als 20 ExpertInnen aus den Bereichen Biodiversität, Landschaftsgestaltung und Naturschutz angehören, sowie führende VertreterInnen der Klimaforschung und der Umweltdachverbände in Österreich, fordern Bundeskanzler Sebastian Kurz, Bundesministerin Leonore Gewessler und mit ihnen die gesamte österreichische Bundesregierung in einem Offenen Brief auf, der „High Ambition Coalition for Nature and People“ beizutreten, die beim „One Planet Summit“ am 11. Jänner 2021 in Paris präsentiert wurde.

Die „High Ambition Coalition for Nature and People” (https://www.hacfornatureandpeople.org) versteht sich als zwischenstaatliche Gruppe. Unter der Führung von Frankreich, Costa Rica und Großbritannien haben sich mittlerweile über 50 Staaten weltweit angeschlossen, in Europa u.a. Deutschland, die Schweiz, die Tschechische Republik, Dänemark, Finnland, Italien, Rumänien, die Niederlande und Spanien. Die Koalition setzt sich für eine globale Vereinbarung ein, durch die mindestens 30% der Land- und Meeresfläche bis 2030 wirksam unter Schutz gestellt werden sollen, unter Anerkennung der Rechte indigener Völker. Ein dementsprechender Beschluss soll bei der 15. Konferenz der UN-Konvention zum Schutz der biologischen Vielfalt (CBD), geplant für Ende Mai 2021 in Kunming (China), erreicht werden.

VertreterInnen der Biodiversitätsforschung, repräsentiert durch den Österreichischen Biodiversitätsrat, sowie KlimaforscherInnen und die Spitzen der Umweltdachverbände fordern Klimaschutzministerin Leonore Gewessler und die weiteren Mitglieder der Bundesregierung auf, dass Österreich so rasch wie möglich der „High Ambition Coalition for Nature and People“ beitritt und deren Ziele entschlossen umsetzt. Prof. Franz Essl vom Leitungsteam des Biodiversitätsrats: „Dem Beispiel Deutschlands folgend, sollte Österreich dabei einen Beitrag zur Finanzierung von Schutzgebieten in Entwicklungs- und Schwellenländern im Rahmen des ‚Legacy Landscapes-Fonds‘ (https://legacylandscapes.org) leisten. Gerade die Pandemie sollte politisch als Wendepunkt in Richtung eines nachhaltigen Gesellschafts-, Wirtschafts- und Finanzsystems innerhalb der planetaren Grenzen genutzt werden.“

Die Corona-Pandemie als Weckruf verstehen

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die diese Initiative unterstützen, betonen, dass eine fundamentale Wende in unserer Beziehung zur Natur notwendig sei, um einen katastrophalen Klimawandel zu vermeiden, Arten zu erhalten und Ökosysteme zu sichern. Die Pandemie zeige auf drastische Weise die gefährlichen Folgen, wenn immer mehr natürliche Lebensräume zerstört werden, der Mensch in die Lebensräume der Wildtiere eindringt und sich dadurch das Risiko von Zoonosen erhöht. Gleichzeitig verstärken die Zerstörung von Ökosystemen (u.a. durch Entwaldung) und der Klimawandel einander. Beide beschleunigen die Auslöschung von Arten. Zahlreiche wissenschaftliche Studien empfehlen deshalb, die gegenwärtig geschützten Land- und Meeresgebiete erheblich auszuweiten[1], um in einem integrierten Ansatz sowohl die Ziele des Pariser Weltklimavertrags zu erreichen als auch die beschleunigte Erosion der Biodiversität zu stoppen.[2]

Download offenener Brief

Download Pressemitteilung


[1] u.a. IPBES Global Assessment Report on Biodiversity and Ecosystems Services (Mai 2019).

[2] https://www.hacfornatureandpeople.org/science-and-reports

© Dag Schölper_Pixabay